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Veganismus

Wer die Befreiung der Tiere befürwortet, lebt konsequenterweise vegan. Von Tierbefreiung oder Tierrechten zu reden und weiterhin "Tierprodukte" zu essen, Tierhaut zu tragen oder Tiere zur Freizeitgestaltung zu benutzen, ist nicht aufrichtig und zeugt von Respektlosigkeit nichtmenschlichen Tieren gegenüber: Ihre Benutzung für menschliche Interessen wird aufrechterhalten und gutgeheißen, egal, wie sehr dabei betont wird, Tierausbeutung "eigentlich schlecht" zu finden.

Vegan, was heißt das eigentlich?

Von vielen Menschen, die vom Thema "vegan" nur am Rande etwas mitbekommen haben, wird Veganismus als eine Ernährungsform (unter anderen Ernährungsformen wie Rohkost, ayurvedische Ernährung, Makrobiotik, Trennkost, ...) angesehen und dementsprechend beurteilt: Als persönliche Sache, als einseitig (bzw. einseitige Ernährung), als uninteressant, als religiös - und vor allem als eines: als politisch und moralisch irrelevant.

Daher soll hier als erstes eindeutig festgestellt werden: Veganismus ist keine Ernährungsweise, keine Diät und keine Eßstörung! Er hat mit Ernährung nur insofern etwas zu tun, daß ein großer Teilbereich, den der Veganismus umfaßt, die Ernährung ist: Nichtmenschliche Tiere werden unter anderem im Nahmen der Ernährung und der Nahrungsmittelindustrie gezüchtet, gehalten, geschlachtet, ihrer Kinder beraubt, zu Waren erklärt und faktisch zu solchen gemacht. Dies betrifft alle sogenannten Tierprodukte, die für die menschliche Ernährung verwendet werden, wie "Fleisch", "Fisch", Milch, Eier, Honig und sämtliche daraus hergestellte "Produkte" (seien es nun Käse oder Joghurt aus Tiermilch oder Kekse, die Eier oder Honig enthalten). VeganerInnen bringen diese "Lebensmittel" mit der hierfür notwendigen Gewalt gegen Tiere in Verbindung und sehen sie folglich nicht (mehr) als Lebensmittel an, sondern als Resultate konzeptioneller Gewalt, an der sie sich nicht beteiligen wollen.

Da Ernährung tagtäglich praktiziert wird, ist dieser Lebensbereich vielleicht der umfassendste und sicherlich der nach außen hin auffälligste Teil des Veganismus: VeganerInnen ernähren sich anders - allerdings genau betrachtet nicht "rein pflanzlich" wie oft behauptet, denn ihre Ernährung schließt durchaus Nicht-Pflanzliches wie Wasser, Pilze oder Salz ein.

Die Vegan Society (Vegane Gesellschaft) definiert Veganismus als

    eine Lebensweise, die danach strebt, so weit wie möglich und praktikabel alle Formen der Ausbeutung von und der Gewalt gegen Tiere für Nahrung, Kleidung oder jeden anderen Zweck auszuschließen.

Das bedeutet neben der Konsumverweigerung von durch Tierausbeutung gewonnenen "Lebensmitteln" die Vermeidung von

  • Kleidung aus Tierhaut, -haaren oder anderen tierlichen Stoffen ("Leder", "Pelz", "Wolle", "Seide", ...)
  • Gebrauchsgegenständen, die durch Tierausbeutung produziert werden (Pinsel mit Tierhaaren, Bettwäsche mit Daunen bzw. Federn, ...)
  • Kosmetika, Reinigungsmitteln und - so weit wie möglich - Medikamenten, die zum einen tierliche Bestandteile enthalten und zum anderen nicht als "tierversuchsfrei" bezeichnet werden können (im Bewußtsein, daß jeder Stoff, und sei es Wasser oder Kamille, irgendwann im Tierversuch getestet wurde oder wird)
  • Zoos, "Tierparks", "Wildparks", Zirkussen und allen sonstigen Tierdarbietungen wie Delphinarien, Greifvogelshows, "Rassekatzenausstellungen", Pferderennen usw.
  • Sportarten, die auf der Benutzung von Tieren basieren wie Reiten, Kutsche oder Hundeschlitten fahren, ...

Diese Auflistung ist sicherlich nicht vollständig, sondern soll nur einen Eindruck davon vermitteln, in welche Lebensbereiche sich der Veganismus erstreckt und beispielhaft aufzeigen, daß von VeganerInnen jede Art der Tierausbeutung abgelehnt wird.

Leider trifft das nicht auf alle "VeganerInnen" zu, da viele Menschen, die sich selbst als vegan bezeichnen, sich an dem ein oder anderen Bereich der Tierausbeutung beteiligen bzw. diesen befürworten. Besonders strittige Punkte sind beispielsweise der Honigkonsum oder die Haltung sogenannter Haustiere - hiermit ist nicht die Aufnahme von Tieren, die sich in einer Notsituation befinden, gemeint, sondern es gibt auch "VeganerInnen", die nichts grundsätzlich Verwerfliches daran finden, daß Tiere ihr Leben in Abhängigkeit und unter Herrschaft des Menschen verbringen, um beispielsweise älteren Menschen oder Kindern Freude zu bereiten, sie Verantwortung zu lehren, ihrer Einsamkeit entgegenzuwirken und - so die (unseres Erachtens irrige) Meinung vieler "veganer" BefürworterInnen der Tierhaltung - um das "Mensch-Tier-Verhältnis" in positiver Weise zu beeinflussen, indem Menschen an "ihren" Hunden, Katzen usw. erkennen, daß diese empfindende Individuen sind und diese Erkenntnis dann auf Hühner, Rinder, Schweine usw. übertragen.

Weiterhin wird die Bezeichnung "vegan" zunehmend von Leuten in Anspruch genommen, die meinen, ihre Ernährung "vegan" zu gestalten, aber Tierausbeutung insgesamt nicht ablehnen, da sie beispielsweise Tierhaut tragen, Zirkusse besuchen, reiten, ... bzw. oftmals jede Art der Tierbenutzung praktizieren, die nicht gerade in den Bereich der Ernährung fällt. Ohne nun auf die verschiedenen Motivationen für eine solche Lebensweise (gesundheitlich, esoterisch, ...) einzugehen, möchten wir festhalten, daß es eine "vegane Ernährung" als isolierten Aspekt ohne die vegane Gestaltung aller Lebensbereiche nicht gibt. Der Veganismus ist (und war es schon immer, da er seit seiner Konzipierung im Jahre 1944 darauf abzielt) eine Lebensweise, die mit der Herrschaft über nichtmenschliche Tiere brechen will, eine Verweigerung an der Beteiligung an der allumfassenden Gewalt gegen Tiere. Eine moralische und politische Haltung, kein Streben nach Gesundheit oder Reinheit, kein esoterischer Spleen und auch keine Religion.

Warum überhaupt vegan?

Weshalb VeganerInnen (oder VegetarierInnen) kein "Fleisch" essen wollen, leuchtet vielen Menschen noch ein. Die Ablehnung der Schlachtung ist etwas Nachvollziehbares, für die meisten Leute mit Grausamkeit verbunden, viele können ihren Anblick nicht ertragen, geschweige denn selbst ein Tier schlachten (trotzdem zieht kaum ein Mensch daraus die Konsequenz, keine Tiere mehr zu essen, allenfalls wird - zumindest in der Theorie - "Fleisch aus Massentierhaltung" abgelehnt).

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Aber warum trinken VeganerInnen keine Milch, essen keine Eier, und warum um alles in der Welt keinen Honig??? Hierfür werden doch keine Tiere geschlachtet!? Wieso reicht es nicht, Eier aus Freilandhaltung und Biomilch zu konsumieren? Was kann hieran falsch sein, ist die artgerechte Tierhaltung nicht ein Segen für die Tiere? Hühner legen sowieso Eier, und wenn Kühe nicht gemolken würden, würden sie letztendlich platzen. Sicher, Pelz ist grausam und unnötig, aber Leder ist doch ohnehin ein Abfallprodukt, und was ist nur an Wolle auszusetzen? Wildtiere sollten eher nicht im Zirkus gehalten werden, aber domestizierten Tieren wie Pferden oder Hunden macht es doch Spaß, Künststücke vorzuführen. Zoos sollten ihre Gehege groß und abwechslungsreich gestalten, dann sind sie eine wichtige Einrichtung, um die Begegnung zwischen Mensch und Tier zu ermöglichen und außerdem zum Artenschutz beizutragen. Pferde waren früher wichtige Arbeitstiere, und heute ist das Reiten eine Beschäftigung, die nicht nur Menschen Spaß macht und für sie therapeutisch wirksam sein kann, sondern auch den Pferden Freude bereitet...
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Diese Fragen und Annahmen sind gesellschaftlicher Konsens; sie geben wieder, was Menschen darüber denken, wozu und wie Tiere benutzt werden sollen. Daß ihre Benutzung bestimmte (Tierschutz-)Regeln einzuhalten hat, ist mittlerweile auch Konsens, aber daß sie überhaupt benutzt werden, wird normalerweise nicht in Frage gestellt. Daher halten wir es für nötig, zumindest kurz darzulegen, weshalb wir und viele andere VeganerInnen ihre Benutzung generell sowie speziell in den jeweiligen Bereichen ablehnen:

"Fleisch"
JedeR weiß, daß nichtmenschliche Tiere (genau wie Menschen) leben und nicht geschlachtet werden wollen, aber es wird von kaum jemandem respektiert. Wir sehen Schlachtung als Mord an und nicht als unvermeidbares Übel, als bloßen Tod oder als Sterben, das "in der Natur" unvermeidbar ist. Der Vergleich mit Löwen, Krokodilen oder vielen anderen Tieren, die sich von Tieren ernähren, hinkt, denn diese Tiere haben schon physiologisch keine andere Wahl, ganz im Gegensatz zu Menschen. Warum vergleichen Menschen sich gerade in diesem Punkt mit nichtmenschlichen Tieren (ausgerechnet mit jenen Arten, die sich von anderen Tieren ernähren, nicht mit den unzähligen Arten, die sich nur von Pflanzen, Pilzen oder Algen ernähren!), wo sie doch sonst so bemüht sind, sich von "Tieren" abzugrenzen? Nicht jedes Verhalten von nichtmenschlichen Tieren ist nachahmenswert - so nimmt sich auch wohl kaum jemand den von einigen Tieren praktizierten Infantizid (das Töten von Neugeborenen der eigenen Art) zum Vorbild, nur weil er "in der Natur" vorkommt.

Wir sehen Tiere nicht als Lebensmittel an. "Fleisch" - ob als "Kotelett", "Steak", "Schinken" "Hühnerschenkel", "Putenbrust", "Wurst" oder mit welchen vom Individuum ablenkenden Namen auch immer bezeichnet - ist für uns ein Leichenteil: Nicht appetitlich oder nahrhaft, sondern überhaupt nicht eßbar. Selbstverständlich zählen auch Fische zu den Tieren (auch wenn "VegetarierInnen", die Fische essen, keine seltene Erscheinung sind). Auch sie sind Individuen, nicht "Fisch", "Rotbarschfilet" oder "Fischstäbchen". Wahrscheinlich ist es notwendig zu erwähnen, daß auch Garnelen, Krebse, Schnecken und alle weiteren Tiere, die für die menschliche Ernährung getötet werden, von VeganerInnen als empfindende Individuen respektiert und folglich nicht als Nahrungsmittel betrachtet werden.

Es geht uns nicht um "Massentierhaltung", "Tiertransporte" oder "Schlachtung im Akkord", sondern um jedes einzelne Wesen, das für "Fleisch" gezüchtet und gehalten wird und letztendlich zu "Fleisch" umgebracht und gemacht wird. Die Art der Haltung mag Unterschiede in der Lebensqualität ausmachen, doch was immer bleibt, ist die Kategorisierung als Schlachtvieh. Das Leben eines dermaßen stigmatisierten Tieres endet immer gewaltsam in der Schlachtung. Ob die Schlachtung vor Ort auf dem Bauernhof stattfindet oder ob ihr ein Tiertransport vorhergeht, ob die Schlachtung mit oder ohne Betäubung vollzogen wird, sind graduelle, keine prinzipiellen Unterschiede. Mord bleibt Mord und ist durch nichts gutzumachen. Die Empörung über (beispielsweise von muslimischen oder jüdischen Menschen praktiziertes) betäubungsloses Schächten ist eine tierschützerisch (und nicht antispeziesistisch) motivierte (und nicht selten rassistisch bzw. antisemitisch geprägte) Haltung, die nicht etwa das Schlachten kritisiert, sondern das anständige, humane Schlachten hochhält.

Wir wollen keine Modifizierung von Schlachtmethoden, keine Verringerung des "Fleischkonsums", sondern ein Ende der Schlachthofkultur. Forderungen nach "Biofleisch" oder der Beschränkung auf den "Sonntagsbraten" erklären Tiere noch immer zu "Fleisch". Wer Tiere aber respektiert, ißt sie nicht.

"Pelz" und "Leder"
Da wir die Züchtung, Haltung und Ermordung von Tieren ablehnen, sind wir selbstverständlich gegen die "Pelzproduktion". Nerze, Füchse, Chinchillas, ... werden wegen ihres Felles auf sogenannten Pelztierfarmen gehalten oder in Fallen gefangen. Für uns ist "Pelz" nicht erst dann schlimm, wenn es sich um (falsch etikettiertes) Hunde- oder Katzenfell handelt oder deswegen, weil die Tiere auf "Pelzfarmen" in engen Käfigen gehalten werden oder weil sogenannte Pelztiere "nur wegen ihres Felles" getötet werden - die Felle von Kaninchen oder Schafen sind gesellschaftlich weitaus weniger (quasi gar nicht) geächtet, da sie ja "ohnehin" für "Fleisch" ermordet werden.

Die Schlachtung von Rindern oder Schweinen für "Fleisch" - ihre Verdinglichung als konsumierbare Ware - ist ein Grund dafür, daß die diesen Tieren abgezogene Haut - "Leder" - als etwas ganz "Natürliches" angesehen wird und einen vollkommen anderen Stellenwert als "Pelz" hat. Die meisten Menschen, die sich angewidert von "Pelz" abwenden, tragen bedenkenlos unbehaarte Tierhaut: "Leder". VeganerInnen können dagegen keinen grundlegenden Unterschied zwischen "Pelz" und "Leder" erkennen. In beiden Fällen handelt es sich um Häute - einmal behaart, einmal unbehaart -, die ermordeten Tieren vom Körper gezogen wurden, um aus ihnen Bekleidung wie Jacken, Mäntel, Schuhe oder Gebrauchsgegenstände wie Taschen oder allerlei Accessoires herzustellen. Es ist in unseren Augen vollkommen respektlos, diese "Gegenstände" zu benutzen, und diese Respektlosigkeit beginnt nicht erst beim Umhängen eines ermordeten Fuchses um den Hals.

Die Behauptung, daß es sich bei "Leder" lediglich um ein "Abfallprodukt" der "Fleischproduktion" handeln würde, ist zum einen falsch (sonst würde die "Lederindustrie" kaum Gewinne erwirtschaften, sonst wäre "echt Leder" kein gefragtes Qualitätsmerkmal) und zum anderen für eine moralische Beurteilung von "Leder" nicht für Bedeutung: Für "Leder" mußte ein Tier ermordet werden, ganz gleich, ob er oder sie auch oder "ohnehin" für einen anderen Zweck (zum Beispiel für "Fleisch") umgebracht wurde.

Milch
Das Trinken von Tiermilch (und der Konsum von "Produkten" aus Milch wie Käse, Joghurt, Butter, ...) wird als natürlich und lebensnotwendig propagiert. Milchkonsum gilt als ein Inbegriff von Harmlosigkeit: Ein Glas Milch erscheint rein und unschuldig; ein Mann, der gerne oder viel Milch trinkt, gilt als "Milchbubi". Doch Milch ist alles andere als harmlos - sie kann zurecht als "weißes Blut" bezeichnet werden.

Milch ist immer Muttermilch. Kuhmilch ist für Kälber, Ziegenmilch für Ziegenkinder, Schafsmilch für Lämmer, Stutenmilch für Fohlen, Büffelmilch für Büffelkinder gedacht usw. Lediglich menschliche Muttermilch steht Menschen (bzw. menschlichen Säuglingen) zu. Wenn Menschen Anspruch auf den Konsum der Milch anderer Spezies erheben, dann halten sie damit ein System aufrecht, das darauf beruht, diesen Tieren und ihren Kindern die Muttermilch zu rauben. Eine Mutter bildet Milch nur für ihr Kind - sie gibt sie keineswegs dem Menschen, wie es suggeriert wird.

Um beispielsweise Kühen permanent Milch zu rauben, werden sie in der Regel Jahr für Jahr gewaltsam befruchtet. Ihre Kinder werden ihnen zumeist direkt nach der Geburt, in jedem Fall aber zu einem Zeitpunkt, zu dem sie sowohl noch Muttermilch als auch mütterliche Zuwendung bräuchten, entrissen und entweder in Einzelhaltung oder in Gruppenhaltung mit anderen Kälbern weggesperrt. Mütter und Kinder sehnen sich nacheinander, oftmals schreien sie tagelang nacheinander. Einer sogenannten Milchkuh widerfährt dieses schreckliche Schicksal zumeist vier- oder fünfmal in ihrem Leben, dann läßt ihre "Milchleistung" für gewöhnlich nach, und sie wird geschlachtet und zu "Fleisch" gemacht. Ihre Kinder werden entweder für "Kalbfleisch" gemästet oder zur nächsten Generation von "Milchkühen", um das gleiche Schicksal wie ihre Mutter zu erleiden, herangezogen.

Die Wahrnehmung von zu "Milchkühen" degradierten Kühen ist die, daß sie dazu da wären, Menschen Milch zu geben. Hieraus resultiert auch die Annahme, daß Kühe gemolken werden müssen. Tatsächlich würde das Nichtmelken einer zur "Milchkuh" gezüchteten Kuh (die enorme Milchmengen bildet - weitaus mehr, als ein Kalb trinken würde) zu Schmerzen der Kuh führen, insofern schafft das Melken ihr Erleichterung. Ohne Stimulation der Milchbildung durch Melken oder Trinken eines Kalbes würde die Milchbildung jedoch nachlassen und bald aufhören, so wird bei der sogenannten Milchproduktion auch ein "Trockenmelken" von Kühen praktiziert, was zum Ende der Milchbildung führt.

Daß das Nichtmelken der Kuh Schmerzen verursacht, ist keine Rechtfertigung dafür, die Ausbeutung von Kühen im Namen des Milchkonsums fortzuführen, sondern zeigt vielmehr die Notwendigkeit auf, die Züchtung von Kühen zu "Milchkühen" einzustellen und aufzuhören, Kuhmilch bzw. allgemeiner: Muttermilch anderer tierlicher Spezies als Lebensmittel für Menschen zu betrachten und zweckzuentfremden.

Eier
Auch Hühner leben nicht, um Menschen mit Lebensmitteln zu versorgen. Sie sind im Lauf der Jahrtausende so gezüchtet worden, daß sie ein Vielfaches der Menge an Eiern pro Jahr legen, als es "Urhühner" einst getan haben. Während jene - vergleichbar mit anderen Vögeln - ausschließlich ihrer Vermehrung dienende Eier (durchschnittlich 20 Eier jährlich) legten, um sie auszubrüten (dies ist eigentlich Sinn und Zweck von Eiern, nicht die Verwendung als Frühstücks- oder Spiegelei), legen heutige "Legehennen" (deren Lebenssinn also per Definition im Eierlegen bestehen soll) je nach Haltungsform nahezu täglich ein Ei. Es sollte einleuchten, daß diese körperliche Leistung nicht ohne Folgen bleibt. So zieht eine "Legehenne" das für den Aufbau der Kalkschale der Eier benötigte Calcium aus ihren Knochen und hat eine äußerst eingeschränkte Lebenserwartung - würde sie nicht ohnehin in der Regel nach 1-2 Jahren aufgrund des Nachlassens der "Legeleistung" geschlachtet werden.

Männliche Geschwister der "Legehennen" werden in aller Regel an ihrem ersten Lebenstag vergast oder zermust. Sie für "Hühnerfleisch" zu mästen, wäre nicht wirtschaftlich, da für diesen Zweck "Masthühner" gezüchtet werden. Doch selbstverständlich würden wir die Forderung vieler TierschützerInnen, die männlichen Geschwister von "Legehennen" nicht "sinnlos" als Küken zu töten, sondern zur "Fleischproduktion" zu mästen, in keiner Weise begrüßen, denn Hühner sind weder "Legehennen" noch "Masthühner"; ihr Leben erhält seinen Sinn nicht durch die "Herstellung" von Zutaten für ein Omelett oder ein "Hühnerfrikassee".

All dies trifft auf sämtliche Haltungsformen, in denen Hennen für die "Eierproduktion" ausgebeutet werden, zu. Während Legebatterien von einem Großteil der Menschen als abscheulich, "pervers" oder ähnliches angesehen werden, werden alternative Haltungsformen, insbesondere die Bio- und Freilandhaltung, als Idylle verklärt. Doch auch die dort gehaltenen Hühner sind auf "Legeleistung" mit all ihren Folgen gezüchtet, auch sie werden bei Nachlassen derselben geschlachtet, auch ihre männlichen Geschwister wurden größtenteils vergast oder zermust. Oft wird dann auf private Hühnerhaltungen, aus der (angeblich) die für den eigenen Konsum verwendeten Eier bezogen werden, verwiesen, wo "das ja nicht so" wäre. Doch selbstverständlich handelt es sich auch hierbei um gezüchtete Hennen, auch dort sind unwahrscheinlichst in etwa gleich viele Hähne wie Hennen zu sehen.

Die zur "Eiergewinnung" grundsätzlich notwendige Gefangenschaft der Hennen, ihre Benutzung als Lebensmittelproduztentinnen, ihre Betrachtung als Wesen, deren Leben darin bestehen soll, für den Menschen da zu sein, ..., wird - wie bei Tierausbeutung üblich und da es sich ohnehin "nur um dumme Hühner" handelt - gar nicht erst thematisiert.

Honig
Die Ausbeutung von Bienen wird selbst von vielen VeganerInnen als so bedeutungsloses oder peinliches Thema angesehen, daß sie kaum nach außen kommuniziert wird. Nicht wenige VeganerInnen argumentieren, daß das Thema Honig den Veganismus schwäche, indem es ihn als übertrieben und lächerlich erscheinen lasse, und dementsprechend wird die Vermeidung des Honigkonsums beim Veganismus in mancher Literatur lediglich als Option benannt.

Doch weshalb soll es unwichtig oder lächerlich sein, was Bienen im Rahmen der "Honigproduktion" angetan wird?
Die "emsigen Bienen" sammeln nicht etwa deshalb so eifrig Blütennektar, um daraus für den Menschen Honig herzustellen. Honig wird von Bienen zur eigenen Ernährung und zum Aufziehen der Kinder der Bienenkönigin gebildet. Um Bienen den Honig zu rauben, werden sie in sogenannten Bienenstöcken gehalten, und bei der Wegnahme des Honigs, bei Kontrollen, ... wird ständig massiv in das Leben der Bienen eingegriffen.

Die Imkerei gilt als eine Symbiose zwischen Menschen (die von Bienen den Honig und weitere "Bienenprodukte" wie Bienenwachs, "Gelee Royal" usw. "bekommen") und Bienen (die im Gegenzug dafür von Menschen Bienenstöcke und Überlebenshilfe für den Winter erhalten). Doch Bienen sind nicht das Eigentum von Menschen; ihnen im Winter Zuckerwasser zu geben, ist kein "feiner Zug" der ImkerInnen, sondern ein nur minderwertiger Ersatz für die ihnen geraubte Nahrung, den Honig. Daß bzw. ob durch die Imkerei Bienen getötet werden (Zerquetschen einzelner Bienen, Sterben nach Stechen des Imkers/der Imkerin, Töten von Bienenköniginnen, Verbrennen ganzer Bienenstöcke, ...), sollte bei der Ablehung der Imerkei nicht im Vordergrund stehen, sondern die Benutzung und Inbesitznahme der Bienen an sich.

Daß es ohne Imkerei keine Bienen und infolgedessen auch beispielsweise kein Obst mehr gäbe, ist ein Mythos. Bevor Menschen Imkerei betrieben, wurden Obstbäume etc. von sogenannten Wildbienen befruchtet, welche größtenteils durch "Honigbienen" (nach menschlichen Interessen gezüchtet und benannt) verdrängt werden.

"Wolle"
Bezüglich der bei uns lebenden Schafe haben wir bereits geschildert, daß wir ihnen Gewalt antun müssen, um sie scheren zu können, was aufgrund der Züchtung auf enormen Haarwuchs leider eine Notwendigkeit ist. Während wir wünschen, die Schafe könnten ohne diese Abhängigkeit vom Scheren, das heißt ohne massiven Haarwuchs, leben, war dieser früher sehr gewollt, da die verarbeiteten Haare der Schafe ("Wolle") sowie ihr gesamtes Fell (mit Haut) nach der Schlachtung ein begehrter Rohstoff für die Herstellung von Kleidung waren.

Heute (mit der Verbreitung von Kunstfasern usw.) ist "Wolle" weniger gefragt und beispielsweise hierzulande häufig ein eher lästiges "Nebenprodukt" der Haltung von Schafen für "Schaffleisch". Dennoch gilt "echte Wolle" immer noch als Qualitätskriterium und wird im Bereich der "Naturfasern" weiterhin gehandelt. Auch ganze Schaffelle, denen - wie bei "Leder" und "Pelz" - grundsätzlich die Ermordung der Tiere vorausgeht, werden zur Fütterung von Jacken verarbeitet, als wärmende Sitzunterlage verwendet usw.

Auch wenn "Wolle" lebenden Schafen abgeschoren wird (und sie für "Wolle" nicht unmittelbar geschlachtet werden), selbst wenn "Wolle" geschoren werden könnte, ohne die Tiere dabei körperlich zu verletzen (wobei Schnittwunden nur schwer zu vermeiden sind), auch dann steht "Wolle" für die Züchtung von Schafen nach Kriterien, die dem Menschen Nutzen bringen und für Schafe ein Leben in Ausbeutung und totaler Abhängigkeit bedeuten.

"Seide"
Oftmals gar nicht mit Tieren in Verbindung gebracht, ist "Seide" das Resultat der Tötung unzähliger Tiere: Sogenannte Seidenraupen, die einen Kokon spinnen, um sich darin zu verpuppen, werden mitsamt des Kokons in kochendes Wasser geworfen. Dabei löst sich der Kokon von der Raupe, die im kochenden Wasser verbrüht wird, und aus dem Kokon wird der "Seidenfaden" gewonnen.

Wie auch bei Bienen kann nicht argumentiert werden, daß es sich doch "nur um Insekten" handelt: Die Raupen wollen leben, und ihr Ziel, wenn sie sich im Kokon verpuppen, ist es nicht, in kochendes Wasser geworfen zu werden.

Daunen und Federn
Es sind zumeist die Federn von Gänsen, teilweise auch Enten, die zur Füllung von Bettdecken, Kopfkissen oder Winterjacken benutzt werden. Dazu werden den noch lebenden oder bereits ermordeten Tieren, die in der Regel zur "Fleischproduktion" gehalten werden, die Federn ausgerissen. Als Daunen werden dabei spezielle Wärmefedern der Vögel bezeichnet.

Die Forderung, Gänsen und Enten erst dann, wenn sie geschlachtet wurden, die Federn auszureißen und nicht, so lange sie noch leben, um sie nicht zu quälen, beruht auf dem speziesistischen Bild, daß diese Vögel "Schlachtgeflügel" sind, "das" ohnehin für den Menschen da ist, weswegen die Körperteile der Ware "Gans" oder "Ente" auch beliebig benutzt werden können. Gewalt gegen nichtmenschliche Tiere wird also nur dann als Gewalt wahrgenommen, wenn sie bestimmte Grenzen (zum Beispiel erhebliche Schmerzen, wie sie lebenden Vögeln beim Rupfen zugefügt werden) überschreitet - das Aufhängen an den Füßen, das Durchschneiden der Kehle, also die Schlachtung, wird nicht als Gewalt betrachtet, noch weniger das zum Durchführen und Akzeptieren dieser Vorgänge notwendige Konzept vom "Daunen und Fleisch liefernden Schlachtgeflügel" .

Jagd und Angeln
Als Argument für die Jagd und das Angeln wird oft vorgebracht, daß die hierbei getöteten Tiere nicht ("in Massentierhaltung") gehalten werden, sondern frei leben konnten. Abgesehen davon, daß dies keine Rechtfertigungsgrundlage dafür bilden kann, jemanden umzubringen (leicht ließen sich dann auch Ermordungen von Menschen rechtfertigen), leben die sogenannten Wildtiere, die bei der Jagd umgebracht werden ("Wildschweine", Rehe, Hirsche, Füchse, ...) sowie Fische, die geangelt werden, nicht wirklich frei: Zum einen werden oftmals sogenannte Wildgehege errichtet, in denen bestimmte Tiere für die Jagd gehalten werden, oder es werden beispielsweise Vögel gezüchtet und aufgezogen, um sie kurz vor der Jagd "freizulassen", analog dazu werden viele Fische in sogenannten Fischteichen gehalten bzw. in Seen ausgesetzt, um sie angeln zu können, zum anderen ist die ständige Bedrohung, von JägerInnen erschossen bzw. von AnglerInnen aus dem Wasser gezogen zu werden, keine Freiheit: Die Tiere sind nur so lange "frei", wie dies der Jäger/die Jägerin bzw. der Angler/die Anglerin beabsichtigt. Die ein Jagdrevier besitzenden oder pachtenden JägerInnen bzw. einen Fischteich besitzenden AnglerInnen sehen die darin lebenden Tiere letztendlich als ihren Besitz an. Begriffe aus der Jägersprache wie "Schonzeit" verdeutlichen, daß die sogenannten Wildtiere unter Bestimmung des Menschen leben.

Die Errichtung von "Futterstellen", das Versorgen der Tiere im Winter mit Nahrung, ... - die "Hege" - sind Maßnahmen zur Aufrechterhaltung der Jagd, denn die sogenannte Überpopulation einiger Tierarten, gegen die sich JägerInnen zum Schutz der Menschen angeblich im Einsatz befinden, wird von JägerInnen selbst vor allem durch das Nahrungsangebot im Winter und die Ermordung von Tieren, die von JägerInnen als Konkurrenz wahrgenommen werden, erzeugt. Doch selbst wenn es zeitweise eine "Überpopulation" von Tierarten geben sollte, wären Maßnahmen angebracht, um sich mit den Tieren zu arrangieren, anstatt diese einfach umzubringen.

Von JägerInnen wird das Bild vermittelt, "die Natur" könne ohne Jagd, ohne menschliches Eingreifen, nicht fortbestehen, ohne Jagd würde quasi ein Chaos ausbrechen. Doch Tierarten haben in Freiheit gelebt, bevor Menschen begonnen haben, fast alle Wälder und Felder systematisch durch Jagd zu kontrollieren. Der Gedanke, daß bewaffnete Menschen benötigt werden, um die Koexistenz von Menschen, "Wildschweinen" und Rehen zu regulieren, ist absurd.

Angeln wird zumeist als eine friedliche Tätigkeit wahrgenommen, bei der der Angler oder die Anglerin geduldig am Ufer sitzt und darauf wartet, daß ein Fisch am Angelhaken anbeißt. Doch einen Haken ins Wasser zu halten, der sich in den Mund eines Fisches bohren soll, um diesen dann aus seinem Lebensraum, dem Wasser, zu ziehen und umzubringen, ist nicht friedlich, sondern äußerst gewalttätig.

Ob es sich um freilebende Fische in Flüssen oder Seen handelt, ob die Fische gezüchtet und ausgesetzt wurden, um sie angeln zu können oder ob die Fische in einem extra zum Angeln angelegten Fischteich gehalten werden - Angeln ist immer Mord (bzw. "nur" Folter, wenn die Fische wieder lebend ins Wasser geworfen werden, wobei von diesen Fischen viele an ihren Verletzungen sterben). Fische wollen nicht weniger leben als Tiere, die nicht im Wasser leben, und selbstverständlich empfinden auch sie Angst und Schmerzen.

Tierversuche
Eine Abschaffung von Tierversuchen wird längst nicht nur von BefürworterInnen des Tierbefreiungsgedankens gefordert, sondern viele Menschen sehen Tierversuche als grausam, überholt und nicht selten als "pervers" (oftmals verbunden mit der Gewaltphantasie, daß TierversuchsexperimentatorInnen mit den gleichen Maßnahmen, die sie nichtmenschlichen Tieren antun, bestraft gehören) an. Diese herausragende Stellung unter den verschiedenen Bereichen der Tierausbeutung erhalten Tierversuche vielleicht unter anderem deshalb, weil sie oftmals mit Versuchen an Affen, Hunden, Katzen oder Kaninchen (und weniger mit Versuchen an Ratten, Mäusen, Fröschen oder gar Insekten) in Verbindung gebracht werden, und zumeist wird dabei in erster Linie an (dekorative) Kosmetik (wie Wimperntusche, Lidschatten oder Lippenstift) gedacht.

Dabei werden fast alle Stoffe, mit denen Menschen zu tun haben (von Zahnpasta über Reinigungsmittel über Lebensmittelzusatzstoffe bis hin zu Trinkwasser), an nichtmenschlichen Tieren getestet. Bei Kosmetika geht es vielmehr um die einzelnen Inhaltsstoffe, die Tierversuche durchlaufen müssen, bevor sie gesetzlich zugelassen werden, als um die fertigen Produkte, da es mittlerweile verboten ist, Kosmetikendprodukte im Tierversuch zu testen.

Gerechtfertigt werden Tierversuche zumeist damit, daß sie die Konsumgüter der Menschen sicher machen würden, und selbstverständlich rechtfertigt der Anthropozentrismus bzw. der Speziesismus jede Art von Folter nichtmenschlicher Tiere für die menschliche Sicherheit oder auch für die Befriedigung der Neugier von TierexperimentatorInnen. Daß durch eine völlige Abschaffung von Tierversuchen (das heißt auch medizinischen Tierversuchen) nun Menschen zu "Versuchskaninchen" würden und schrecklichen Gefahren ausgesetzt seien, ist allerdings ein Trugschluß. Alternativen zu Tierversuchen sowie zahlreiche bewährte Mittel - sowohl als Inhaltsstoffe von Reinigungsmitteln oder Kosmetika als auch als Wirkstoffe in Medizin - sind bereits vorhanden, werden aber aus verschiedenen Gründen (unter anderem deshalb, weil sich mit Tierversuchen mehr Geld verdienen läßt) nicht ausreichend eingesetzt.

Das Foltern von Tieren - sei es nun im Namen der Kosmetik-, Reinigungs- oder Tabakindustrie, der Pharmazie, der Verhaltensforschung oder für welchen Zweck auch immer - läßt sich durch nichts rechtfertigen. Um Sicherheit und Gesundheit von Menschen zu gewährleisten, dürfen nichtmenschliche Tiere nicht ihrer Freiheit, ihrer Gesundheit und ihres Lebens beraubt werden.

Tierdarbietungen
Im Zoo (oder auch "Wildpark"), im Zirkus, in Delphinarien und ähnlichen Einrichtungen werden Tiere gehalten, um Menschen zu unterhalten. Sie halten als Lehr-, Anschauungs- und Vergnügungsobjekte her. Es heißt, diese Einrichtungen seien wichtig, um die Begegnung zwischen "Mensch" und "Tier" zu ermöglichen, um nichtmenschliche Tiere erleben, von ihnen lernen, sie bewundern zu können. Doch es handelt sich um eine Begegnung zwischen Freien (den Menschen, die ihre Macht, Tiere für ihre Zwecke einsperren zu lassen, ausüben und genießen) und Gefangenen.

Tiere wollen frei sein, in ihrem eigentlichen Lebensraum leben, ihren Interessen und Tätigkeiten nachgehen und nicht dazu dienen, von Menschen beglotzt zu werden. Sie haben kein Interesse daran, sich (oder gar ihre Art) zu präsentieren oder "Kunststücke" vorzuführen, zu denen sie durch Brechung des Willens gezwungen wurden. Die angebliche Bewunderung, die den Tieren entgegengebracht wird und die sich im Zirkus oder Delphinarium im Applaus niederschlägt, ist letztendlich eine Verhöhnung der Tiere, ein Ergötzen an der ausweglosen Situation der Gefangenschaft und des Zwanges, in der sie sich befinden.

Die von Zoo und Zirkus geschaffene künstliche Welt, in der die Tiere leben bzw. auftreten müssen, ist nur für die menschlichen BesucherInnen attraktiv. Argumente wie die, daß Zoos dem Artenschutz dienen würden, daß die Tiere dort sicherer und komfortabler leben würden als in Freiheit, daß Tiere im Zirkus Freude an der "Beschäftigung" hätten, ..., verkennen die der Gefangenschaft zugrundeliegende Gewalt, die Frustration, die Unterdrückung und Unfreiheit verursachen und die Demütigung durch das Abverlangen akrobatischer Übungen.

Reiten
Als eine der Sportarten, die auf Kosten nichtmenschlicher Tiere erfolgen, soll hier beispielhaft über das Reiten geschrieben werden.

Reiten komme dem natürlichen Bewegungsdrang von Pferden entgegen, da diese ohnehin gerne (schnell) laufen, heißt es. Doch damit Menschen reiten können, müssen Pferde zunächst einmal gefangen gehalten werden - die durch Menschen bestimmte Bewegung, das Reiten, erfolgt dann, wenn der/die ReiterIn es möchte. Oftmals bietet das Reiten Pferden (je nach Haltungsform) die einzige Möglichkeit, sich (schnell) zu bewegen, was den Eindruck vermittelt, die Pferde wären vom Reiten ebenso begeistert wie die ReiterInnen.

In der Regel bestimmt der/die ReiterIn den Weg und benutzt Zügel und Gebiß als Lenkrad, um das Pferd zu steuern: Das Pferd wird (ähnlich einem Fahrrad) als Fortbewegungsmittel und Sportgerät benutzt. Ob nun mit oder ohne Gebiß, mit oder ohne Sporen, mit oder ohne Gerte geritten wird, immer wird dem Pferd dabei der menschliche Wille aufgezwungen. Der Wille des Pferdes wird schon in frühem Alter gebrochen, was sich dann "Einreiten" nennt. Ohne das Brechen des Willens wären diese großen und starken Tiere nicht von nahezu jedem noch so kleinen und schwachen Menschen zu beherrschen. Genau diese Herrschaft ist abzulehnen, egal wie "sanft" sie vollzogen wird.

Die meisten Pferde, die zum Reiten (oder auch Kutsche fahren) gezüchtet und benutzt werden, werden irgendwann aufgrund von Krankheiten oder ihres Alters als nicht mehr reitbar angesehen, zum Schlachthof transportiert und zu "Fleisch" verarbeitet oder auch "eingeschläfert". Doch selbst wenn dies nicht der Fall ist (in wenigen Fällen geben die BesitzerInnen ihren Pferden das Gnadenbrot, oder das Pferd kommt auf einen Gnadenhof), ist das Reiten inklusive der dazugehörigen Pferdezucht eine abzulehnende Benutzung der Pferde.

Übertrieben?

Viele Menschen üben keine direkte bzw. offensichtliche Gewalt gegen Tiere (wie zum Beispiel das Verprügeln einer Katze) aus und würden sich davor scheuen, selbst ein Tier zu schlachten oder Vivisektionen durchzuführen (wenngleich sich genügend Menschen finden, die diese Gewalttaten erledigen). An der indirekten bzw. strukturellen Gewalt gegen Tiere ("Fleischessen" und dergleichen) jedoch beteiligen sich fast alle Menschen. Die zum "Fleischessen", Milch trinken, "Leder" tragen, Daunendecken benutzen, Reiten, ... dazugehörige Gewalt wird nicht als Gewalt gesehen. Sie ist Bestandteil der (speziesistischen) Kultur, Normalität. Sich gegen jede Form von Gewalt gegen nichtmenschliche Tiere auszusprechen oder auch nur persönlich so zu leben, daß diese Gewalt vermieden wird, gilt als übertrieben, unrealistisch, weltfremd.

Im Gegensatz zu den meisten anderen Menschen sehen VeganerInnen es absolut nicht als übertrieben an, Handlungen, die mit der Gewalt gegen nichtmenschliche Tiere verbunden sind, zu vermeiden. Vielmehr wird es mit der Zeit zur Selbstverständlichkeit, vegan zu leben. Auch wenn es für die allermeisten Menschen schwer vorstellbar ist, wird Veganismus keineswegs als Verzicht empfunden, in den meisten Bereichen ist er sogar sehr leicht praktizierbar. Es handelt sich dabei nicht um eine Einschränkung der Lebensqualität oder die Befolgung quasi-religiöser Vorschriften, die nur schwer durchzuhalten ist. VeganerInnen sehen sogenannte Tierprodukte einfach nicht mehr als Lebensmittel oder Gebrauchsgegenstände an, halten einen Zirkus, der nichtmenschliche Tiere vorführt, für keinen amüsanten Ort. Sie sagen NEIN zur Normalität der Gewalt und Unterdrückung von Tieren.

Daß "Fleisch" so lecker, "Leder" ein tolles Material oder ein Zoobesuch ein kurzweiliger Zeitvertreib sei, ist aus veganer Sicht völlig indiskutabel. VeganerInnen erkennen und respektieren, daß nichtmenschliche Tiere keine Produkte, ProduktlieferantInnen oder Vergnügungsobjekte sind und handeln entsprechend.

Das kann doch nicht gesund sein ...

... denken viele Menschen von veganer Ernährung. Schließlich propagieren die Medien, die Medizin und nicht zuletzt die Ernährungswissenschaften eine "Mischkost", die selbstverständlich "Fleisch", Milch, Eier und Honig einschließt und halten den Mythos aufrecht, daß der Konsum dieser "Produkte" für die menschliche Gesundheit notwendig wäre. Daß eine vegetarische Ernährung, also die Vermeidung von "Fleisch", möglich ist, wird mittlerweile zwar zumeist anerkannt, vor veganer Ernährung jedoch vor allem für bestimmte Gruppen (Schwangere, Kleinkinder, ...) gewarnt. Insbesondere der Glaube an die nahezu magische Wirkung des Kuhmilchkonsums ist tief in unserer (Ernährungs-)Kultur verankert.

Hier soll nicht der Ort sein, um die vegane Ernährung in gesundheitlicher Hinsicht detailliert zu verteidigen und gesundheitliche Argumente für den Konsum von "Milch", "Fleisch", Eiern oder Honig zu widerlegen, obwohl Iris als Diplom-Oecotrophologin (Haushalts- und Ernährungswissenschaftlerin) hierzu einiges zu sagen bzw. zu schreiben hätte. Es soll lediglich festgehalten werden, daß alle Nährstoffe - auch die bei veganer Ernährung als kritisch benannten wie Protein (Eiweiß), Calcium oder Eisen - durch eine ausgewogene vegane Ernährung (das heißt eine Ernährung, die nicht hauptsächlich aus veganen Chips, Pommes Frites, Ketchup und Limonade besteht) problemlos zugeführt werden können, wie es 2003 auch die ADA (American Dietetic Association) und DC (Dietitians of Canada) festgestellt haben:

    Gut geplante vegane und andere vegetarische Ernährungsformen sind für alle Lebensphasen geeignet, inklusive während der Schwangerschaft, Stillzeit, des Kleinkindalters, der Kindheit und Jugendzeit.

Diese "gute Planung" ist insbesondere auf Vitamin B12 zu beziehen, den einzigen Nährstoff, der bei veganer Ernährung in jedem Fall supplementiert werden muß. Trotz häufig zu findender Behauptungen, Vitamin B12 sei in milchsauer vergorenem Gemüse, Hefeprodukten, Algen oder anderen veganen Lebensmitteln enthalten, kommt dieses Vitamin in veganer Nahrung nicht vor, wenn sie nicht mit Vitamin B12 angereichert ist wie es beispielsweise bei einigen Sorten Sojadrink der Fall ist. Da das Vitamin diesen Lebensmitteln in der Regel in zu geringer Menge zugesetzt ist, sollte unbedingt Vitamin B12 als Nahrungsergänzungsmittel (in Tropfen- oder Tablettenform) eingenommen werden!

Empfehlenswerte vegane Vitamin B12-Präparate sind zum Beispiel:

  • Solgar Vitamin B12 Nuggets 1000 µg, erhältlich über diverse Online-Apotheken bzw. direkt über den Vertrieb in Deutschland
  • Vitamin B12-Tropfen von Ankermann bzw. Asmedic, erhältlich oder bestellbar in jeder Apotheke
  • Vitamin B6, B12 + Folsäure-Kautabletten von Dr. Ritter, erhältlich oder bestellbar in Reformhäusern
  • Veg1 (ein veganes Multivitamin, das unter anderem Vitamin B12 enthält), erhältlich bei einigen Vegan-Shops wie zum Beispiel VeganWonderland oder SO-JA!

Darüber hinaus können wir folgende Literatur, in der die gesundheitlichen Aspekte veganer Ernährung detailliert behandelt werden, empfehlen:

  • Becoming Vegan. The Complete Guide to Adopting a Healthy Plant-Based Diet von Brenda Davis und Vesanto Melina (englisch)
  • Plant Based Nutrition and Health von Stephen Walsh (englisch)
  • Vegane Ernährung von Gill Langley [in Bezug auf Vitamin B12 etwas veraltet, aber insgesamt immer noch empfehlenswert]
  • Vitamin-B12-Mangel bei veganer Ernährung. Mythen und Realitäten, aufgezeigt anhand einer empirischen Studie von Iris Berger

Erst recht als nicht gesund wird eine vegane Ernährung für Tiere angesehen, die sich normalerweise von anderen Tieren ernähren wie beispielsweise Katzen oder Hunde. Insbesondere Katzen haben einen gänzlich anderen Nährstoffbedarf als Menschen und können nicht ohne weiteres vegan ernährt werden, sondern benötigen zahlreiche Nährstoffe als Supplement. Auch wenn nicht zwingend notwendig, ist es doch empfehlenswert, vegane Hundenahrung ebenfalls anzureichern.

Einen Supplementkomplex für vegan ernährte Katzen und Hunde, mit dem selbst zubereitete Katzen- bzw. Hundenahrung angereichert werden muß, gibt es unter dem Namen Vegecat bzw. Vegedog über den Versandhandel zu beziehen. Momentan scheint es diese Produkte nur bei Radix und Produkte für ein besseres Leben zu geben. Den letztgenannten Shop empfehlen wir nur ungern, da es sich um keinen Vegan-Shop handelt, sondern dort beispielsweise auch "Katzenfutter" mit Leichenteilen verkauft wird.

Alternativ zum selbst Zubereiten veganer Katzen- und Hundenahrung gibt es auch vegane Fertignahrung, die bereits mit allen essentiellen Nährstoffen versehen ist, zum Beispiel

  • Bio-Hundenahrung von Yarrah, die hauptsächlich nicht-vegane Hunde- und Katzennahrung herstellen, aber trotzdem ein gutes Angebot an veganer Hunde-Trocken- und Naßnahrung sowie Hundeknochen, -keksen usw. haben. In vielen Bioläden zu kaufen bzw. zu bestellen sowie über Vegan-Shops zu beziehen.
  • Vegusto-Cat und Vegusto-Dog, vegane Naßnahrung im Beutel bzw. in Wurstform (Kühlprodukt), begeistert scheinbar fast alle Katzen und Hunde. Erhältlich beim schweizerischen Hersteller Vegusto oder bei Vegan-Shops wie VeganWonderland oder Radix, die ebenfalls Yarrah führen.
  • Benevo Duo, Dosennahrung für Hunde und Katzen gleichermaßen, erhältlich bei oben genannten Vegan-Shops.
  • Ami Cat und Ami Dog, Trockennahrung für Hunde und Katzen, erhältlich bei fast allen Vegan-Shops.

Achtung: Katzen- und Hundenahrung von Gut für Tiere kommt aus dem Umfeld des Universellen Lebens (UL), einer autoritär strukturierten Sekte, die sich vor allem in den Bereichen Vegetarismus und Tierschutz betätigt.

Go vegan!

Wir wollen selbstverständlich Leute dazu motivieren, vegan zu leben. Der Respekt nichtmenschlichen Tieren gegenüber drückt sich unter anderem im Veganismus aus - nicht vegan zu leben bedeutet, das System der Tierausbeutung aufrechtzuerhalten und sich an ihrer Unterdrückung zu beteiligen. Daher ist es uns ein wichtiges Anliegen, dazu beizutagen, Veganismus zu verbreiten. Leider kommen wir aufgrund unserer Tätigkeiten rund um den Antitierbenutzungshof derzeit kaum dazu, uns für Tierbefreiung und Veganismus einzusetzen, aber wir beantworten gerne Deine Fragen zu diesen Themen oder geben Hilfestellung beim Vegan-werden.

Denn in der Anfangszeit stellen sich oft haufenweise Fragen, und nicht alle Antworten sind gleich offensichtlich. Es gibt zum Beispiel einige Dinge, die nicht vegan sind, obwohl sie nicht den Anschein erwecken:

  • Filme herkömmlicher Fotokameras basieren auf Gelatine, weswegen solche Fotos nicht vegan sind. Digitalkameras funktionieren zwar ohne Gelatine, doch es gibt unseres Wissens kein gelatinefreies Fotopapier, so daß Fotos letztendlich nur auf normalem Papier vegan ausgedruckt werden können.
  • Getränke wie viele Fruchtsäfte (zum Beispiel klarer Apfelsaft) oder Wein werden üblicherweise mit Gelatine geklärt, es gibt aber ungefilterte Säfte, bei denen das ausgeschlossen ist und auch manchen klaren Apfelsaft oder Wein, der anderweitig geklärt wurde.
  • Die meisten Margarinesorten, auch wenn auf der Verpackung "rein pflanzlich" oder ähnliches steht, enthalten Vitamin D3, das aus Lanolin ("Wollfett") synthetisiert wird. Es gibt jedoch auch vegane Margarinesorten wie beispielsweise Alsan (zum Beispiel im Bioladen), Margarine von Rapunzel (Bioladen) und die meisten Sorten von Vitaquell (Reformhaus).
  • Kosmetika, die als "tierversuchsfrei" beworben werden, enthalten oftmals trotzdem Inhaltsstoffe, die neu im Tierversuch getestet wurden, was aber vermeidbar ist: In vielen Bioläden und Vegan-Shops gibt es mittlerweile Kosmetika, die "tierversuchsfrei" nach den Richtlinien des Deutschen Tierschutzbundes (siehe Kosmetik-Positivliste) oder der Kontrollierten Naturkosmetik sind, das heißt es werden keine Rohstoffe verwendet, die nach einem bestimmten Datum auf den Markt gekommen sind, was zumindest weitere Tierversuche vermeidet. Diese Produkte sind entsprechend gekennzeichnet.

Von diesen mehr oder weniger komplizierten Tücken gibt es einige, sie sollten aber niemanden davon abschrecken vegan zu leben. Selbstverständlich erschweren diese Fälle die vegane Lebensweise, aber sie sind mit der Zeit durchaus vermeidbar - niemand ist perfekt, und was zählt, ist der Wille, die Benutzung von Tieren so weit wie möglich zu vermeiden.

Vegan kochen
Unlösbar erscheinen zu Anfang oftmals auch Rätsel wie die, wie bloß ein Kuchen ohne Eier zu backen sein könnte, wie eine Pizza ohne Käse schmecken kann und welche veganen Gerichte es außer Spaghetti mit Tomatensauce (und das ohne Parmesan ...) noch geben könnte. Hierfür gibt es mittlerweile zahlreiche vegane Kochbücher und Online-Rezeptdatenbanken wie zum Beispiel

  • Vegan lecker lecker! von Marc Pierschel et al., erhältlich zum Beispiel bei roots of compassion
  • Vegan backen von Angelika Eckstein, erhältlich über den Buchhandel
  • Rezeptefuchs.de

und viele mehr. Wir weisen darauf hin, daß in manchen Rezepten eventuell nicht-vegane Zutaten wie zum Beispiel Weinsteinbackpulver (entsteht durch Wein, der in der Regel mit Gelatine geklärt wird) verwendet werden. In solchen Fällen einfach eine Alternative (in diesem Fall normales Backpulver oder Natron) einsetzen.

Wo gibt es vegane Produkte?
Die meisten veganen Lebensmittel gibt es in üblichen Supermärkten oder Bioläden zu kaufen, denn es handelt sich hierbei um Grundnahrungsmittel wie Obst, Gemüse, Getreideprodukte, Nüsse, Hülsenfrüchte, ..., die ohnehin den Großteil einer abwechslungsreichen Ernährung ausmachen sollten. Auch Produkte wie Sojadrink (bzw. Soja-Reis-Drink), der anstelle von Kuhmilch verwendet werden kann, gibt es in nahezu jedem Lebensmittelgeschäft zu kaufen.

Viele VeganerInnen möchten zudem noch speziellere Lebensmittel wie vegane Würste oder "Schnitzel", veganen Käse, vegane Sahne usw. konsumieren, die sich in vielen Bioläden (insbesondere Bio-Supermärkten) finden oder aber über den veganen Versandhandel bezogen werden können.

Wir selbst bieten in unserer veganen Chocolaterie vegane Schokolade und Pralinen an, wobei es vegane Schokolade auch zum Beispiel in Bioläden zu kaufen gibt.

Vegane Schuhe abseits von üblichen Stoffschuhen (die oftmals unter sklavereiähnlichen Bedingungen produziert werden), gibt es ebenfalls in Vegan-Shops wie Vegane Zeiten oder Vega-Trend.

Im übrigen ist es sinnvoll, Bio-Produkte (ob nun Lebensmittel oder Bekleidung) zu konsumieren, da für die Pestizide, die im konventionellen Anbau von Nahrungsmitteln oder Baumwolle eingesetzt werden, Tierversuche gemacht werden und der Pestizideinsatz zudem den Tod vieler freilebender Tiere (beispielsweise Vögel) verursacht. Überhaupt ist eine gewisse allgemeine Konsumkritik angebracht, da die Herstellung von Ge- und Verbrauchsgütern fast immer die Mitwelt belastet.

Vegan leben!
Wer sich jetzt denkt, daß sich das alles ganz schön kompliziert anhört, daraus den Schluß zieht, daß es zu aufwendig und letztendlich kaum realisierbar sei, vegan zu leben und sich letztendlich dazu entscheidet, Tiere weiterhin zu benutzen (sie zu essen, ihre Milch zu trinken, ihre Haut zu tragen, ...), hat keinen Respekt vor den Individuen, die für ihn bzw. sie ausgebeutet werden. Denn wer nicht vegan lebt, ist Teil des Systems der Gewalt gegen nichtmenschliche Tiere.