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Geschichte und Zukunft

Ich (Daniel) und meine jüngeren Geschwister wollten als Kinder/Jugendliche so viele Tiere wie möglich vor dem Metzger retten. Wir lebten damals vegetarisch und hatten auf einem Reiterhof Reit- und Kutschunterricht. Dort bekamen wir mit, wie Pferde - auch einige, auf denen wir regelmäßig geritten waren - irgendwann zum Metzger kamen. Sie waren alle für den Reiterhof nicht mehr wirtschaftlich, da sie zu alt waren, keineR sie aus irgendeinem Grund reiten wollte, sie lahmten oder eine Verletzung hatten, wodurch sie entweder nicht mehr reitbar waren oder sich eine Behandlung nicht mehr rentiert hätte.

Im Folgenden schreibe ich zunächst, was die Geschichte der nichtmenschlichen Tiere angeht, in der Ich-Form, da Iris am Anfang noch nicht dabei war und einer meiner Brüder, mit dem ich das Ganze hauptsächlich zusammen aufgezogen habe, seit einiger Zeit nicht mehr dabei ist.

Anfangs war ich noch zu jung und hatte zu wenig Geld, um die Pferde freizukaufen. Ich fand es sehr schlimm, daß die Pferde zum Metzger kamen, aber Reiten, Halten und Züchten noch toll und ganz normal und ging noch eine ganze Weile weiter zum Reitunterricht. Als ich dann irgendwann die Möglichkeit hatte, Pferde, die zum Metzger sollten, zu retten, machte ich das. Manchmal mußte ich sogar mehr als den Schlachtpreis zahlen, da der Reiterhofbesitzer wußte, daß ich die Tiere unbedingt haben wollte. Da ich aus finanziellen Gründen nicht unbegrenzt Tiere retten konnte, beschloß ich, erst mal nur noch die Pferde freizukaufen, auf denen meine Geschwister und ich selbst geritten waren bzw. mit denen wir Kutsche gefahren waren, weil wir eine enge Beziehung zu ihnen hatten und nicht wollten, daß sie als Dankeschön für die schöne Zeit, die wir mit ihnen hatten, getötet werden.

Mit den Pferden fing das Ganze also an. Dann kamen noch Schafböcke dazu, die ich aus der Schule kannte. Sie waren die Söhne von Schafen, die zum Rasenmähen gehalten wurden. Ich kannte sie seit ihrer Geburt (besuchte sie in den Pausen usw.) und hatte so auch eine Beziehung zu ihnen. Sie sollten dann recht bald geschlachtet werden, und so rettete ich auch sie. So kamen mit der Zeit immer mehr Tiere zusammen, die entweder geschlachtet worden wären oder so gehalten worden waren, daß ich das als unaushaltbar empfand. Damals lebten meine jüngeren Geschwister und ich noch bei unseren Eltern. Finanziert haben wir die Tiere zum Beispiel durch einen Ehrenamtspreis, den wir gewonnen hatten, durch Erspartes, Taschengeld und schließlich, als einer meiner Brüder und ich etwas älter waren, durch Arbeiten und am Schluß durch einen Versand mit "biologischer Kleidung aus fairem Handel und mehr", den dieser Bruder und ich gegründet hatten.

Seit einiger Zeit ist vieles anders. Mittlerweile lebe ich mit Iris und den nichtmenschlichen Tieren auf unserem Hof im Bayerischen Wald. Zwei meiner jüngeren Geschwister helfen uns noch, zum Beispiel in ihren Schulferien. Da der Bruder, mit dem ich den Kleidungsversand gemacht hatte und der anfangs hier auch gelebt hat, aus persönlichen Gründen mit dem Kleidungsversand weggezogen ist, finanzieren Iris und ich das Ganze nun durch Gelegenheitsarbeiten sowie seit März 2010 durch VeGANTISCH, unsere vegane Chocolaterie. Etwas finanzielle Unterstützung bekommen wir hin und wieder von Privatpersonen und vom Verein Free Animal, aber all das reicht im Grunde nicht aus ...

Inzwischen habe ich meine Ansichten bezüglich des Haltens und Rettens von Tieren sehr geändert. Ich lebe vegan, bin gegen Reiten, Kutsche fahren, Zucht und alle anderen Formen der Tierausbeutung.

Iris und ich wollen aus verschiedenen Gründen nur noch Tiere aufnehmen, wenn wir zum Beispiel ein verletztes Tier auf der Straße finden, wenn es sich um ein Tier handelt, zu dem wir oder eineR von uns eine enge Beziehung hat (so wie ich zu den meisten Pferden eine Beziehung hatte, bevor ich sie freikaufte) oder in sonstigen Ausnahmefällen (zum Beispiel wenn eines der hier lebenden Tiere einsam oder ausgegrenzt wäre oder wir sonst eine enge Freundschaft auseinanderreißen würden). Das heißt nicht, daß wir bestimmte Tiere privilegieren und anderen unsere Hilfe per se verweigern wollen, wir möchten nur nicht unser komplettes restliches Leben mit dem Versorgen von Tieren verbringen, sondern später noch die Möglichkeit haben, anderweitig aktiv zu werden.

Auch das Halten, so wie wir es machen, hat viele Seiten. Wir mögen alle hier lebenden Tiere, und einige, zu denen wir eine enge Beziehung haben, haben wir auch sehr lieb. Wir wollen, so lange die Tiere hier leben, bei ihnen sein und uns bestmöglichst um sie kümmern. Doch die Haltung bringt auch viel Schlimmes und Belastendes mit sich, hier einige Beispiele:

  • Wir müssen die Tiere, wenn nötig, kastrieren, damit sie sich nicht vermehren (was generell ein gravierender Eingriff ist, da es den Charakter stark verändert und dem Tier die Möglichkeit zu Sexualität und Fortpflanzung nimmt).
  • Die Schafe müssen wir jedes Jahr im Frühling festhalten und teilweise sogar fesseln, um sie zu scheren (sie wollen das überhaupt nicht und versuchen sich meistens mit allen Kräften zu wehren).
  • Dadurch, daß viele Tiere, die bei uns sind, so lange benutzt wurden, bis sie so kaputt waren, daß sie geschlachtet werden sollten, und dadurch, daß alle Tiere bei uns gezüchtet sind, sind manche sehr krank oder werden es im Alter wahrscheinlich sein. Für die Krankheitsbehandlung müssen oft Medikamente verabreicht und weitere Maßnahmen durchgeführt werden, die der Patient/die Patientin über sich ergehen lassen muß, ob er/sie will oder nicht.
  • Wenn ein großes Tier (wie ein Pferd) stirbt, muß es von der Tierkörperbeseitigungsanstalt abgeholt werden, wo es dann wohl zu Seife, "Hundefutter" oder ähnlich Schrecklichem verarbeitet wird. Es kommt dann ein LKW und greift das Tier mit einem Kran, wirft oder quetscht es in lauter Leichen und "Schlachtabfälle".
  • Dadurch, daß wir das ganze Zubehör (wie Pferdehalfter, Schafschermaschine, Tränken, Zaunmaterialien, Hundeleinen, ...) für die Tierhaltung kaufen, unterstützen wir die ganze Tierhaltungsindustrie, Firmen wie zum Beispiel Siepmann.
  • Wenn zum Beispiel so ein Scheiß wie "Vogelgrippe" auftritt und beispielsweise in einer "Geflügelmastanlage" bei uns in der Nähe ein Huhn entdeckt wird, das angeblich diesen Virus trägt, könnte es sein, daß die liebe Polizei zu uns kommt und uns gewaltsam die Hühner, ... wegnimmt, um sie töten zu lassen.
  • Durch den Hof und die Tiere helfen wir eigentlich nur den hier lebenden Tieren (was für uns persönlich im Moment Vorrang hat) und können (aus Zeit- und Geldgründen) kaum etwas zu einer Beendigung der Tierausbeutung beitragen.

In Zukunft ...

... haben wir vor, den Hof fit zu machen, alles für die Tiere so angenehm wie möglich zu gestalten. Wie geschrieben, wollen wir nur in absoluten Ausnahmefällen weitere Tiere aufnehmen. Da manche Tiere hoffentlich noch mindestens 20 Jahre und mehr älter werden, wird es den Antitierbenutzungshof hier also noch mindestens so lange geben.

Früher (als Kind) wollte ich (Daniel) später einen riesengroßen Gnadenhof machen mit mehr als 1000 Tieren, damit so viele Tiere wie möglich weniger geschlachtet würden. Es ist jedoch so, wenn ich zum Beispiel ein "Mastschwein" freikaufe, gebe ich dem Mäster oder der Mästerin Geld dafür und bezahle ihn/sie für das Schlimme, was er/sie da macht. Bei Haflingerpferden ist es sogar so, daß eine bestimmte Anzahl an Pferden extra für Freikäufe, die üblicherweise bei den Auktionen getätigt werden, gezüchtet werden. Daher finden wir es auf Dauer wichtiger und sinnvoller, etwas gegen Tierbenutzung generell zu unternehmen, damit es wenigstens eine Chance gibt, daß das Ganze aufhört. Freikäufe finden wir für uns nur dann richtig, wenn wir aus irgendeinem Grund eine Beziehung zu dem Tier haben. Es gäbe auch noch andere Möglichkeiten, Tiere zu retten, als den TierausbeuterInnen Geld zu zahlen ... Das fänden wir zumindest in dieser Beziehung besser.

Sobald es uns irgendwann zeitlich möglich ist, wollen wir uns über den Antitierbenutzungshof hinaus für die Befreiung aller Tiere einsetzen.